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Dem geistigen Anspruch nach gibt es eine Übereinstimmung von der sinnlichen
und übersinnlichen Welt, also von Geist und Natur.
Da wir selbst ein Naturwesen sind, bringen wir alle Erkenntnisvoraussetzungen
mit, um das Wesen der sinnlichen Welt zu verstehen.
Es ist richtig, dass wir uns von den Naturereignissen entfernt haben, aber
wir fühlen noch immer, dass wir verwurzelt sind. So kann es nur ihr eigenes
Wirken sein, dass auch in uns lebt. Dieses Wirken versuche ich zu erkennen, um
die Zusammenhänge zu entdecken.
Da das Denken nicht klar gegeben, sondern durch die Sinneswahrnehmung
abgelenkt wird, müssen Wahrnehmung und Denken zunächst voneinander geschieden
werden, damit beide Seiten des Erkenntnisvorganges je für sich in Klarheit
erfahren werden können.
Bevor ich meine Meinung über die Dinge und Ereignisse äußere, warte ich ab,
was sie mir zu sagen haben, um auf diese Weise von ihnen zu lernen. Erkennen
will ich, was die Dinge mit mir verbindet. Die Zusammenhänge will ich wieder
herstellen, vermag ich es nicht, so bleiben die Dinge stumm. Meine schöpferische
Kraft kann sich nur über die Dinge entfalten. Die angestrebte Identität kann nur
dann erreicht werden, wenn der Weltinhalt zum Gedankeninhalt wird, da die
Erkenntnis nicht durch die Wahrnehmung, sondern durch die Tätigkeit des Denkens
entsteht. Die Wahrnehmungen für sich genommen, ob sinnlich oder übersinnlich,
stehen zusammenhanglos nebeneinander ohne Funktion. Die Erkenntnis setzt voraus,
dass sich der Zusammenhang der Tatsachen erschließt. Die Zusammenhänge stellt im
wachen schöpferischen Leben allein das Denken her. Diese Energie, die ich als
Denkender erlebe, sind keine subjektiven, sondern solche, die weder subjektiv
noch objektiv sind, eine über diese beiden Begriffe hinausragende Energie. Ich
vertrete die Meinung, nicht meine Individualität denkt, sondern diese existiert
nur durch mein Denken.
Das Denken führt mich über mein Selbst hinaus und verbindet mich mit den
Dingen. Für mich gibt es keine rätselhafte Welt hinter den Dingen, die Prozesse
erfüllen die Dinge mit Leben, sie zu erleben und im lebendigen Denken zu
erkennen und zu verbinden ist mein Anliegen.
Die Grundlagen allen irdischen Lebens sind Licht(Wärme), Luft(Gase)
Wasser(Flüssigkeit) und Erde(Mineralien). Keines dieser Elemente darf fehlen.
Das Wasser ist dabei das lebendigste, universellste, das Lebenselement
schlechthin. Es hat die wundersamsten und vielseitigsten Eigenschaften. Seine
Lebendigkeit drückt es beispielsweise durch seine ständig wechselnden
Aggregatzustände aus.
Als Eis ist es verdichtet, als Wasser flüssig, als Wasserdampf gasförmig in
der Luft enthalten. In dem Element Wasser finde ich die plastischen Kräfte, die
auch im Menschen wirken. Ob sie mehr auf der chaotischen Seite stehen, da wo
Wasser sich bewegt, nämlich eine ungerichtete Energie in ihrer ganzen Vitalität,
oder an dem anderen Pol, an dem Wasser verdichtet ist und die bestimmte Form des
kristallinen Prinzips aufweist. Die plastische Vitalität stützt sich auf drei
Elemente: Dem Chaos, der Bewegung und der Form. Die Bewegung geht vom
ungeordneten Zustand über in ein richtungsgebendes Bewegungselement, hin zu
einer Formgebung. Die Auslöser für diesen Prozess sind Wärme und Kälte. Im
Wärmezustand neigt sich das Wasser aufzulösen, im Kältezustand dagegen strebt es
dem Formprozess zu. In diesem plastischen Vorgang liegen drei Gliederungen
zugrunde, egal ob es auf der gegenständlichen oder auf der seelischen Ebene ist.
Das Fühlen wird mit der Wärme, sprich der Bewegung verknüpft, das Denken mit der
erstarrten kristallinen Formbildung und der Wille mit einer ungerichteten
Willensenergie. Findet die ungerichtete Energie keine entsprechende Form, so
wird sie zerstörerisch. Äußert sie sich dagegen zu einem Formwillen, der nicht
durch das lebendige Fühlen und Erleben getragen wird, so neigt die Formbildung
der intellektuellen Erstarrung zu.
Kälte- und Wärmestrom sind wechselseitig aufeinander angewiesen, sind zwei
Gegenbilder, die sich ergänzen, sogar erweitern.
Der kühle sachliche Blick in die Welt ist notwendig, ebenso der Blick auf das
warme Licht der Zukunft, um im hoffnungsvollen Niedergang des Alten immer wieder
das Neue zu sehen.
Der Realismus bedarf notwendigerweise des Idealismus, wie der Materialismus
das Geistige und umgekehrt, so könnte dieses Bild weitergedacht werden.
Das Wasser nimmt Mineralien auf, wenn es die Erde durchdringt. Es geht aber
keine chemische Verbindung ein, es befördert nur die Mineralien. Die Pflanze
kann somit Wasser und Mineralien gleichzeitig aufnehmen. Verdunstet das Wasser,
ermöglicht es den gelösten Substanzen sich in ihren eigenen kristallinen Formen
zu verwandeln.
Diese Daseinsform des Wassers ist vergleichbar mit der Zuneigung der
selbstlosen Beziehung des Gebenden, der anderen Menschen ermöglicht, sein Selbst
zu finden und seine eigenen Fähigkeiten zu formen. Gleichzeitig können sich die
Fähigkeiten sozialproduktiv entfalten. Ich stelle fest , dass durch diese
Wärmeerzeugung des Nehmens und Gebens in meinem Innern ein vergleichbarer
Prozess wie der des Wassers geschieht und ein Leitbild für die sozialen
Entwicklung unserer zukünftigen Gesellschaft bedeutet.
Mit Hilfe von lichtempfindlichen Material bringe ich das Licht und die Dinge
auf eine Schwelle, wo Wirkung und Gegenwirkung zusammenfließen. Das
Ausstrahlende und das Formende, die Kräfte des Lebens greifen ineinander, ich
erfahre sie als Ereignisse. Wie zum Beispiel der Pol des ausstrahlenden Lichtes,
der formlosen Bewegung auf der einen Seite, sowie die kristallinen Kräfte, die
zur Schwere neigen, auf der anderen Seite.
Diese Gegenbilder sind wechselseitig aufeinander angewiesen.
Das Licht führt mich hinaus zu anderen Weiten, der Formprozess halt mich
zusammen in der Schwere der Finsternis. Es geht mir nicht um die
Gegenüberstellung von Geist und Materie, sondern ich betrachte die Materie als
gewonnene Energie. Daher beziehe ich mich auf die Verschmelzung, die
schöpferische Verbindung von Gegensätzlichkeiten, dessen Elemente sich ergänzen
und zu einer Steigerung führen können.
„Das Unendliche“ als Sinnbild des schöpferischen Denkens drückt sich überall
im Endlichen aus.
So wird es verständlich, dass sich nur mit dem Medium Fotografie für mich all
die Gegenbilder zu einem schöpferischen Ganzen zusammenführen lassen.
Walter Sack
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